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Alkohol am Arbeitsplatz

 

 

Wenn du eine Stunde lang glücklich sein willst, schlafe. Wenn du einen Tag glücklich sein willst, geh fischen. Wenn du ein Jahr lang glücklich sein willst, habe ein Vermögen. Wenn du ein Leben lang glücklich sein willst, liebe deine Arbeit. - chinesisches Sprichwort

 

 

Einen Großteil seines Lebens hält man sich an seinem Arbeitsplatz auf. Das auch im Arbeitsleben Probleme mit Alkoholmissbrauch und -abhängigkeit auftreten, ist daher fast zwangsläufig der Fall.

 

Die BzGA fand heraus, dass Belastungen häufig mit Alkohol bewältigt werden. Es wird daraus geschlossen, dass nur 4 % der weniger geforderten, aber 23 % der stark belasteten Arbeitnehmer während der Arbeit Alkohol konsumieren. Besonders Betroffen sind auch bestimmte Berufsgruppen wie z. B. Berufe, die mit der Alkoholherstellung und dem Vertrieb - z. B. Gastwirte, Kellner, Köche - zu tun haben, sowie Angehörige von Bau- und Transportberufen (insbesondere Seefahrtsberufe ),  Selbstständige ohne feste Arbeitszeit sowie Außendienstmitarbeiter.

 

Arbeitsrechtliche Gesetze sehen vom Wortlaut her kein absolutes Alkoholverbot vor. Damit kann jeder Mitarbeiter - aufgrund seiner Handlungsfreiheit - Alkohol konsumieren, solange er seine Pflichten aus dem Arbeitsvertrag nicht verletzt. Es liegt also nur ein relatives Alkoholverbot vor. In den Betrieben - unter Mitwirkung des Betriebsrates - hat sich jedoch in vielen Fällen durchgesetzt, dass während der Arbeitszeit ein absolutes Alkoholverbot erlassen wurde. Dies kann Kraft Direktionsrecht (einseitige Anordnung) des Arbeitgebers geschehen (Bundesarbeitsgericht, Aktenzeichen 2 AZR 436/83), durch eine Betriebsvereinbarung beschlossen werden oder im Einzelarbeitsvertrag festgelegt werden.

 

Dem Arbeitgeber obliegt aber die Fürsorgepflicht für die Beschäftigten. Kollegen, die am Arbeitsplatz trinken, gefährden sich und andere - auch je nachdem, in welcher Funktion sie arbeiten. Der  Arbeitgeber ist daher verpflichtet, einen betrunkenen Mitarbeiter umgehend vom Arbeitsplatz zu verweisen. Er muss zudem dafür Sorge tragen, dass der betrunkene Mitarbeiter in seinem Zustand auch nicht mehr Auto fährt. Die Fürsorgepflicht der Unternehmensleitung reicht sogar soweit, dass sie besondere Haftungsrisiken eingeht, wenn sie Hilfestellungen unterlässt.

1&1 DSL

 

Wenn ein angetrunkener oder betrunkener Mitarbeiter wegen Trunkenheit seinen Arbeitsplatz auf Weisung vom Vorgesetzten verlassen muss, verletzt er damit gleichzeitig seine arbeitsvertraglichen Pflichten. Er kann - selbstverschuldet - nicht weiter arbeiten und verliert daher zeitweise seinen Anspruch auf Vergütung. Da der Arbeitgeber der Beweissicherung unterliegen kann, wird er also vorsorglich - wenn es ihn gibt - den Werks- oder Betriebsarzt und den Betriebsrat hinzuziehen, einen Vermerk in die Personalakte machen und / oder den Mitarbeiter abmahnen

 

Im betrunkenen oder angetrunkenen Zustand kann es schnell zu Unglücksfällen kommen. Verletzt ein angetrunkener Arbeitnehmer einen Kollegen, haftet er jedoch nur, wenn er vorsätzlich oder grob Fahrlässigkeit gehandelt hat (Haftungsprivileg). Sonst übernimmt die Berufsgenossenschaft die entstehenden Kosten.

 

In der Regel stehen Beschäftigten bei unverschuldeter Arbeitsunfähigkeit sechs Wochen Entgeltfortzahlung zu. Alkoholismus gilt nach einem Urteil des Bundesarbeitsgerichtes   (5 AZR 497/ 86) als unverschuldete Krankheit. Bei Alkoholsucht und ihren Folgeerkrankungen wie z. B. Leberzirrhose ist es inzwischen akzeptiert, dass es sich um eine Krankheit handelt.

Streitfall sind allerdings Rückfälle, die zur Arbeitsunfähigkeit führen. Hier kommt es auf die Umstände des Einzelfalles an. Dabei spielt die Mitwirkungspflicht des alkoholkranken Arbeitnehmers eine große Rolle. Er ist verpflichtet, sich zu den Umständen zu äußern. Tut er dies nicht, kann das als ein Indiz für Selbstverschulden gewertet werden.

 

Lt. Urteil Bundesarbeitsgericht (BAG) vom 18.03.2015 ( Az.: 10 AZR 99/14 ) ist der Arbeitgeber verpflichtet, dem alkoholsüchtigen Arbeitnehmer das Gehalt 6 Wochen weiterzubezahlen, wenn dieser wegen seiner Sucht krankgeschrieben ist. Sucht und auch Rückfälle nach einer Therapie seien in der Regel nicht als selbstverschuldet zu werten, dass den Anspruch auf eine Lohnfortzahlung aufhebe.

 

Ein Bewerber braucht in einem Vorstellungsgespräch seine Trinkgewohnheiten nicht offen darzulegen. Dies gilt jedoch nicht, wenn der Stellenbewerber genau weiß, dass er aufgrund seiner Sucht die vertragliche Leistung nicht erbringen kann. Das trifft auf Berufe zu, in denen der Bewerber im Vollbesitz seiner körperlichen und seelischen Kräfte sein muss, um nicht sich oder andere zu gefährden (zum Beispiel Berufskraftfahrer, Busfahrer, Maschinenbediener usw.)



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