+++ Haben Sie sich auch schon die Frage gestellt - "Bin ich Alkoholiker oder bin ich Co-Alkoholiker" - was ist das ? Wie kann ich mir, meinem Angehörigen, Kollegen oder Freund helfen ? Diese Seite gibt Ihnen umfangreiche Antworten auf Ihre Fragen und hilft Ihnen, sich über dieses Thema ausführlich ( mit umfangreichen Beiträgen - die einen Großteil der Thematik abdecken -, Videos und ausgewählten Links ) zu informieren - egal wo oder wie Sie leben. Sie haben hier die Gelegenheit, sich mit dem Thema Alkohol, Alkoholismus und Abhängigkeit vertraut zu machen. +++

 





Geschichte des Alkohols

 

 

Soldaten seid euch bewusst, dass von desen Pyramiden vierzig Jahrhunderte auf euch herab blicken.
- Napoléon Bonaparte ( französischer Feldherr und Kaiser )

 

 

Das Wort Alkohol kommt ursprünglich aus dem Arabischen (arabisches Wort " al-kuhl") und wurde mit der Bedeutung "das Feinste, feines Pulver" aus dem Spanischen übernommen. Der Begriff „Alkohol“ wurde schließlich im 15. Jahrhundert von Paracelsus ( Arzt, Alchemist ) geprägt, von dem auch der Ausspruch stammt „ Jedes Ding ist Gift, und kein Ding ist Gift. Allein die Dosis macht, ob ein Ding Gift ist.

Alkoholhaltige Speisen sind so alt wie die Menschheit. Durch Konsum überreifer Früchte, die bereits in Gärung übergegangen waren, wurde - eher zufällig - Alkohol konsumiert. Der Konsum von Alkohol kann bis ins Jahr 8000 vor Christus zurückverfolgt werden, als im vorderen Orient die Ackerbaukulturen begannen aus dem angebauten Getreide Bier zu brauen. Auch Alkoholische Getränke sind vielen Völkern seit Jahrtausenden bekannt. So gibt es auch  einen Satz in der Bibel in dem es heißt: - "Wo man lange beim Wein sitzt und kommt auszusaufen, was eingeschenkt ist.".."

 

 

Vergorener Broteig war mit großer Wahrscheinlichkeit Ausgangspunkt für die Herstellung eines Getränkes, das wir als erstes Bier bezeichnen könnten. Das älteste Dokument stammt von den Sumerern die im 4. Jahrtausend vor Christus lebten, - das sog. "monument bleu".  Sie hinterließen eine Keilschrifttafel auf der die Herstellung von Bier detailliert beschrieben wird. Die Griechen und Römer tranken bevorzugt Wein während die Chinesen alkoholische Getränke auf der Grundlage von Reis brauten. Die Germanen tranken Bier und Met (Honigwein). Bereits 300 v. Chr. beschreibt Aristoteles die Destillation, die jedoch in erster Linie zur Entsalzung von Meerwasser diente.




Bier und Wein wurden als Getränk, Opfergabe und Genussmittel geschätzt, aber auch die Möglichkeit des Missbrauchs war bekannt. In der Antike wurde der Wein schließlich ein wesentlicher Bestandteil der römischen und griechischen Kultur. Beide Kulturen bedachten ihn mit einer eigenen Gottheit: Bacchus bzw Dionysos. Trunkenheit wurde im Rahmen kultischer Handlungen toleriert, nicht aber im Alltag.

Im Mittelalter wurde die Braukunst in den Klöstern weiterentwickelt. Ursprünglich wollten die Mönche ein nahrhaftes und wohlschmeckendes Getränk als Beikost zu ihren Mahlzeiten gewinnen. Denn diese waren vor allem während der Fastenzeiten sehr dürftig. Biertrinken war immer erlaubt, denn "Was flüssig ist, bricht kein Fasten".

Vermutlich wurde im Gebiet der heutigen Türkei um etwa 1000 n. Chr. die Destillation von Wein zur Herstellung hochprozentiger Branntweine entwickelt. So war es möglich, den Spiritus vini ( Geist des Weines ) aus Wein herzustellen. In Ostasien wurden schon früh Weine aus Litschi und Pflaumen hergestellt sowie der Sake, ein warm genossener Reiswein (eigentlich gehört Sake aber zu den bierartigen Getränken ).

 

In Nord- und Mitteleuropa war Bierbis zum 16. Jahrhundert ein Grundnahrungsmittel. Zum Frühstück servierte man Biersuppe - nicht nur Erwachsenen, sondern auch den Kindern. Aus diueser Zeit stammt auch das vom bayrischen Herzog Wilhelm IV erlassene Reinheitsgebot für Bier im April 1516, das bis heute so gehandhabt wird.

Auf der Schwäbischen Alb z. B. war vor allem der Most weit verbreitet. Kaffee und Tee verdrängten schließlich im 17. und 18. Jahrhundert das Bier als Universalgetränk. Als Lebensmittel gewann die Kartoffel zunehmend an Bedeutung. Karl der Große verabscheute die Trunkenheit, sah sich aber gleichzeitig dazu gezwungen, die Bier- und Weinproduktion zu fördern.

Wasser war aus gesundheitlichen Gründen wegen der Verschmutzung und Kontamination mit Erregern nicht für den Genuß geeignet. Vor allem in den Städten wurden fast ausschließlich alkoholische Getränke konsumiert. Bier war das Getränk der unteren Schichten, wohingegen Wein dem gehobenen Bürgertum vorbehalten blieb. Zu Beginn des Mittelalters war der Hausbrau die dominierende Herstellungsmethode und diente einzig der Selbstversorgung, erst im Spätmittelalter kam das ökonomische motivierte Braugewerbe auf. Parallel zum Aufstieg der Städte bildeten sich zunftähnliche Zusammenschlüsse.

Schon Martin Luther klagte: " Es ist leider (...) gantz Deutschland mit dem Sauffen laster geplagt. Wir predigen und schreien und predigen da wider. Es hilft leider wenig. "

Im 30-jährigen Krieg war gezieltes “Wuttrinken” an der Tagesordnung, dem unzählige Menschen durch sinnlose Morde zum Opfer fielen.

 

Mitte des 18. Jahrhunderts vergrößete sich mit den neuen Kolonien in Amerika die landwirtschaftlich nutzbare Fläche des Königreichs England um ein Vielfaches. Dies führte in der Folge zu sinkenden Getreidepreisen und einer damit verbundenen Verarmung der Unterschicht. Die Überproduktion an Getreide wurde zum Teil zur Herstellung von Gin genutzt, welcher in den Armenviertel Großbritanniens dankbare Abnehmer fand. Zeitweise kostete eine Kalorie Gin weniger als eine Kalorie Brot. In der Folge entwickelte sich die Gin-Krise, welche die damalige Regierung erst durch eine Reihe von Gesetzen (hohe Steuern auf Gin, Erschwerung des Handels, Ausgabe von Lizenzen für Händler, etc.) beenden konnte und so trat 1736 in England das Gin-Gesetz in Kraft, dessen erklärtes Ziel es war, Alkohol für den Verbraucher so zu verteuern, dass die Armen nicht imstande sein würden, exzessiven Gebrauch davon zu machen.

 

 

Erst aus dieser Zeit finden sich die ersten Schrften, die sich mit Alkoholabhängigkeit und deren Folgeerkrankungen beschäftigen. Ebenso wurde vor diesem Hintergrund Alkohol zum ersten Mal als Ursache für gesellschaftliche Probleme und Fehlentwicklungen verstanden.

 

Vom 19. Jahrhundert an wurde Branntwein industriell produziert. Erstmals kamen damit hochprozentige alkoholische Getränke zu niedrigen Preisen auf den Markt, was vor allem bei den, unter extremen Lebens- und Arbeitsbedingungen leidenden Angehörigen des Proletariats, zu einem starken Konsumanstieg führte ( Elendsalkoholismus ). In vielen Fabriken wurde den Arbeitern während des 12 bis 16stündigen Arbeitstages kostenlos Schnaps geboten, damit sie die Arbeitsbelastung überhaupt durchhielten. Zudem waren die Arbeitslöhne extrem niedrig und reichten kaum aus, das Lebensnotwendigste zu beschaffen. Organisationen der Arbeiterschaft, wie die SPD in Deutschland, werteten den sich ausbreitenden Alkoholismus daher in erster Linie als eine Folge der frühkapitalistischen gesellschaftlichen Verhältnisse. Der extrem schnelle Wechsel der Trinkgewohnheiten, weg vom Bier und hin zum Kartoffelschnaps, wurde vielfach auch mit der Pest verglichen.

Die "Branntweinpest" wurde aufgrund ihrer rasenden Verbreitung von hochprozentigen Alkoholika in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts mit einer sich schnell ausbreitenden Seuche verglichen. Elendsalkoholismus ist auch heute noch anzutreffen und zwar überall dort, wo Armut, Leid, Hoffnungs- und Perspektivlosigkeit existiert und der preiswerte, gesetzlich uneingeschränkte Zugriff auf Alkohol möglich ist.

 

Ende des 19. Jahrhunderts entstanden erste Antialkholorganisationen wie DAS BLAUE KREUZ (1877) und der GUTTEMPLERORDEN (1883 in Deutschland).

 

In Großbritannien ist im Ersten Weltkrieg ein Schangesetz eingeführt worden, um zu verhindern, dass die Arbeiter im Alkoholrausch zur Arbeit torkeln und die Kriegsindustrie lahm legen. Dieses verhasste Gesetz, die "Closing Time " wurde erst im Jahr 2005 auf der Insel durch die Regierung Blair abgeschafft. Mit einem neuen Schankgesetz sollten die durch ihre Express-Saufkultur des „Binge Drinking“ berüchtigten Briten wenigstens an einem Punkt europäischer werden.

 

Am 16. Januar 1920, als um Mitternacht der 18. Zusatzartikel zur Verfassung der Vereinigten Staaten von Amerika in Kraft trat, der Herstellung, Verkauf und Transport berauschender Getränke grundsätzlich verbot, trat die Prohibition in den USA in Kraft. Dieser Versuch der amerikanischen Regierung, den Alkoholkonsum zu verhindern, scheiterte bereits nach 14 Jahren und wurde seither nicht wieder in Erwägung gezogen, da dass Gesetz nicht haltbar war. Anfang der 20er Jahre schätzte die Polizei die Zahl illegaler Kneipen allein in der Stadt New York auf 32.000 – etwa  doppelt so viele, wie es vor der Prohibition an legalen Kneipen gab. Außerdem förderte dieses Gesetz immens die Kriminalität und die Korruption. ( Cosa Nostra usw. ) Trotzdem gibt es auch heute noch verschiedene Bezirke und Staaten in den USA, die den Alkoholkonsum verbieten.

 

Im " Dritten Reich " wurden Alkoholiker alsAsoziale und Volksschädlinge eingestuft und das heißt:

„Asozial“ ist der nationalsozialistische Begriff für als minderwertig eingeschätzte Menschen aus den sozialen Unterschichten. Das waren insbesondere Menschen, denen die Nationalsozialisten vorwarfen, dass sie Bettler, Landstreicher, arbeitsunwillige Fürsorgeempfänger, Alkoholiker, Prostituierte oder Zuhälter wären. Schon 1933 kam es im Deutschen Reich zu einer Verhaftungswelle gegen angebliche Bettler und Straßenprostituierte.

 

Alkoholiker wurden in geschlossene Anstalten und Arbeitshäuser eingesperrt. Mit der Begründung des angeborenen Schwachsinns wurden sie zwangssterilisiert. Im Frühjahr und Sommer 1938 wurden über 10.000 Menschen als „Asoziale“ in KZ´s verschleppt.

Auch in so genannten Tötungsanstalten wie z. B. Schloss Grafeneck auf der Schwäbischen Alb oder Schloss Hartheim bei Linz wurden diese Menschen im Rahmen der NS-Euthanasie ermordet

 

In den Kriegen spielte Alkohol eine große Rolle. Ein britisher Offizier drückte es so aus: "Wir brauchen den Alkohol als Stärkung, wenn wir völlig abgekämpft sind." Alkohol war ein probates Mittel, die Truppe im Stellungskrieg überhaupt bei Laune zu halten. Er  wurde gezielt als Droge eingesetzt, um Angst zu bekämpfen, die Soldaten aufzuputschen um Ihren Graben zu verlassen und in den fast sicheren Tod zu stürmen, sowie die Moral aufrecht zu erhalten. Ein altes Landserwort lautete: "Ohne Schnaps kein Rabatz", da vor einem gefährlichen Unternehmen fast immer eine Sonderration Schnaps ausgegeben wurde und die Soldaten schon daran erkennen konnten, dass etwas Übles in der Luft lag. Ein beliebter Spruch der Pioniere: "Was nicht überbrückt werden kann, wird ausgetrunken..."

Der Schriftsteller Arnold Zweig schrieb in seinem Buch "Erziehung vor Verdun" folgende Worte: "Man kann den Krieg führen ohne Frauen, ohne Munition, sogar ohne Stellungen, aber nicht ohne Tabak und schon gar nicht ohne Alkohol".

Die Franzosen tranken Rotwein, die Briten Rum und die Russen Wodka. Den deutschen Soldaten stand pro Tag ein Zehntelliter Branntwein zu, den viele in Form von Schnaps, die Bayern aber als Bier zu sich nahmen.
Soldat 1. Weltkrieg

 

Heute sind alkoholische Getränke ein fester Bestandteil nserer Alltagskultur. Man trinkt Bier, Wein, Sekt oder Spirituosen:

- zum Essen oder gegen den Durst
- zu geselligen Anlässen, Festen und Feiern aller Art
- als kleine " Besonderheit " im Alltag ( Feierabendbier )
- wenn man Probleme hat und Entspannung sucht.

 



www.worldvision.deImmer noch geht es dabei u das rechte Mas. Der mäßige Konsum alkoholischer Getränke ist gesellschaftlich akzeptiert, unkontrollierter Konsum und Trunkenheit dagegen werden abgelehnt.

 

siehe auch:

- Vorwort

- Was Abhängigkeit bedeutet

-Was ist Alkohol

 

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